Lifestyle

Meine Geschichte: Wie wurde ich vegan?

Hin und wieder, in letzter Zeit aber immer seltener, werde ich mit der Frage „Warum bist du vegan geworden?“ konfrontiert. Komplett automatisiert spule ich dann die 3 Hauptgründe ab: Vermeiden von Tierleid jeglicher Art, Wirkung der herkömmlichen Ernährung auf die Umwelt, Gesundheitsaspekte die meiner Meinung nach für die vegane Ernährung sprechen inkl. der Geschichte davor „Warum ich Vegetarierin wurde“.

Die Gründe in meinem Fall sind heute sehr breit gefächert. Keiner ist stärker ausgeprägt als der andere, sie haben alle in unterschiedlichen Bereichen ihre Überzeugungskraft, oftmals stand das Tierleid am Beginn und wurde von gesundheitlichen Gründen bestärkt. Die Gründe haben sich jedoch teilweise erst mit der Zeit und dem Wissen rund um das Thema ergeben. Einige kamen früher, andere später, einige erkannte ich selbst, andere wurden mir erst durch das Sehen von Dokumentationen & Lesen von Artikeln so richtig bewusst und klar. Vielleicht sollte ich ab jetzt einfach immer die Gegenfrage: „Warum bist du NICHT vegan?“ stellen, die Antwort kann ich mir aber denken und werdet ihr auch in den nächsten Zeilen lesen.

Heute – Veganerin aus Überzeugung

Tatsächlich ist es so, dass sich die vegane Ernährung für mich von Beginn an ziemlich natürlich anfühlte. Es war für mich zu keiner Sekunde kompliziert, mühsam oder schwierig. Genau mit diesen Wörtern bekomme ich die Art wie ich lebe und mich ernähre von anderen oft – bzw.von Omnivoren eigentlich immer – beschrieben.

Moment, wenn ich mal schnell drüber nachdenke – ein Grund macht die Lebensweise doch schwierig, kompliziert & mühsam ist: sind die Fragen und vorallem aber die Reaktion vieler Menschen – geprägt von Ihrer Ignoranz gegenüber der Umwelt & anderen Lebewesen, dem blinden Vertrauen in das System und die Unachtsamkeit dem eigenen Leben gegenüber mit dem Resultat, das vegan nicht normal sein kann.
Nicht, dass es mir wirklich wichtig wäre was Menschen, vorallem Fremde, von mir denken oder zu mir sagen, doch die Unwissenheit und das Vertrauen in die Mythen der Ernährung und der Gesellschaft und ihre nicht erkannten oder nicht erkennen wollenden Auswirkungen auf sich selbst und die Umwelt schockiert mich sehr oft und bringt mich dann hin und wieder in die Situation diese verkehrte Welt aufzuklären – mit einem weiteren Resultat: als Mensch mit extremen Ansichten abgestempelt zu werden, der nicht versteht, dass so wie es schon immer war bestimmt besser und richtig ist.
Kurz danach endet das Gespräch mit den den Worten der Gegenseite: „ist wirklich schwierig, kompliziert und mühsam…das könnte ich nie.“
Was bleibt ist dann mein Gedanke: wenn einem schon die Welt egal ist, wie kann einem das eigene Leben egal sein und warum öffnet man sich nicht für Neues um schlußendlich seine eigenen Entscheidungen zu treffen und das Beste für sich zu wählen? Bewusst und nicht weil es schon immer so war? Haben wir verlernt zu denken? Haben wir keine Zeit mehr uns mit wichtigen Dingen auseinander zu setzen? Ist die neue Serie auf Netflix, oder die nächste Shoppingtour wichtiger als die Dinge die uns ernähren?
Doch weg von diesen Gedanken – hin zu meinem Weg zu „vegan“.

Wie gesagt, für mich war der Schritt irgendwie natürlich und ich nahm es von Beginn an als Chance die breite Vielfalt von Lebensmitteln zu entdecken und freute mich darauf abseits von Wurstsalat und Gulasch Neues auszuprobieren, damit auch noch Gutes zu tun – auch mir selbst – und Leid zu vermeiden.
Vielleicht war auch ein bisschen Rebellion dabei. Aber diese hat sich am Ende als der richtige Weg herausgestellt und heute ist es pure Überzeugung.

Der Beginn – Pescetarier für Anfänger

Pescetarier = essen kein Fleisch, aber Fisch, Milchprodukte und Eier.

Zu Hause wurde immer frisch gekocht, unter der Woche eigentlich auch mit wenig Fleisch, Milchprodukte waren jedoch täglich mehrmals auf der Speisekarte. Doch kaum aus dem Haus draußen war man überflutet mit Wurstsemmeln & co. Ich wusste von Beginn an, dass die Ernährungsweise, die mir von klein an in meiner Familie, in der Schule, im Freundeskreis, in Gasthäusern und auf Feiern vergelebt wurde, nicht das sein konnte, mit dem ich leben wollte und habe mich auf eine kleine Auswahl an Fleischprodukten in meiner Ernährung beschränkt. Zu dem Zeitpunkt ging es mir nicht um Tierleid oder Gesundheit, ich wollte nur einfach nicht einsehen, dass Lebensmittel im Überfluß zu wirklich kleinem Geld zu haben waren. Ich wollte, dass mein Essen etwas wert war und war gegen die Einstellung, die mein Umfeld zu Nahrung hatte. Vieles aß ich daher garnicht, schob es auf „Schmeckt mir nicht!“. Gedanken darüber habe ich mir zu diesem Zeitpunkt aber keine weiteren gemacht.

Der Umbruch in meiner Ernährug kam mit einer PETA Dokumentation über eine Schweinezucht-Fabrik. Das Wort Fabrik ist hier mehr als angebracht, denn was dort zu sehen war ist kurz „Mord am Fließband“. Ich war von den Bildern des Tötens, der Art des Tötens, den noch lebenden kleinen Schweinchen in MÜLLTONNEN!!! so schockiert, dass sich das Thema Fleisch in meinem Essen sofort erledigt hatte. Ab diesem Zeitpunkt war ich Pescetarier.

Als Pescetarier ließ es sich ganz gut leben, auch am Land. Zu Hause wohnte ich Teile meiner Zeit als Pescetarier nur am Wochenende, somit war auch meine Familie mit meiner neuen Ernährungsweise nicht so stark konfrontiert. Da ich zu dieser Zeit eben auch noch Fisch aß, wusste auch meine Mutter was sie mir am Wochenende kochen konnte.
Unter der Woche versorgte ich mich selbst und konnte mich hier voll austoben – soweit, dies bei einem Studenten zumindest der Fall sein konnte.

Der nächste Schritt zum Ovo-Lacto Vegetarier

Ovo-Lacto Vegetarier = essen keinerlei Fleisch, Geflügel und Fisch. Milchprodukte und Eier werden weiterhin gegessen. 

Es gab ein einschneidendes Erlebnisse das mich dazu gebracht hat auch auf Fisch zu verzichten. Das Erlebnis war ein Ausflug zum Fischen mit meinem Freund.

Im Nachhinein finde ich es seltsam, dass ich überhaupt auf „Erlebnisse“ angewiesen war um meine Ernährung zu ändern. Doch es geht eben nicht alles auf einmal und ist auf jeden Fall nachhaltiger, wenn man selbst Erkenntnisse zieht und es nicht aus vorgeschobenen Gründen macht.

Heute denke ich, dass es einem leichter fällt Fisch zu essen als andere Lebewesen da uns Fische ihr Leid und ihren Schmerz nicht mit Schreien vermitteln können, also anders zeigen als anderer Tiere oder Lebewesen. Zum Zweiten entsprechen Fische nicht dem typischen Kuscheltier, auch das dürfte den Gedanken sie zu essen für viele nicht allzu absurd sein lassen.
Nur so kann ich mir – neben den Aussagen rund um das gesunde Fischfleisch – erklären, dass es überhaupt eine Gruppe von Pescetariern gibt – zu denen ich auch einige Jahre gezählt habe. 

Wie gesagt hat sich meine Einstellung zum Essen von Fisch nach einem Ausflug zum Fischen sofort verändert.
Ich habe an diesem Tag einen Fisch in meinen Händen gehalten während versucht wurde einen Haken aus seinen Backen zu entfernen. Ich kann euch mit Worten nicht beschreiben was ich in diesem Moment gesehen und gefühlt habe. Mir blieb vorallem der Blick des Fisches stark in Erinnerung – ein panischer und gequälter Blick! Luftnot und ein schlimmer Schmerz – Todesangst! Ab diesem Tag waren wir nie wieder fischen und auch vom Teller wurden Fische somit zu 100% verbannt.

Auch als Ovo-Lacto Vegatarier war ein überleben – egal wo – auch problemlos möglich denn das übliche Gemüselaibchen mit Beilage war auf jede Speisekarte zu finden. 🙂 Mit dieser Ernährung hatte ich einige Jahre (2007-2012) meine Freude.

Fleisch war nun komplett von meinem Speisplan verbannt.

Ernährung: endlich vegan

Es war 2012 und ich war zu dem Zeitpunkt ca. 6 Jahre berufstätig, hatte eine gemeinsame Wohnung mit meinem Freund und wir kochten viel und gerne. Unser Lieblingsgericht damals war Lasagne mit viel Käse. Generell waren wir Käsefans – gerne auch aus dem Ofen zum Tippen.

Das Interesse nach Ungerechtigkeit in der Lebensmittelindustrie hat auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachgelassen, es hat während der Zeit des Studiums einfach nur tief in mir geschlummert und auf den Zeitpunkt des Erwachens gewartet. Nach einer Dokumentation über das Leid von Kühen als Opfer der Milchindustrie, war mir sofort klar, dass auch dies nichts ist was ich weiter unterstützen wollte.

Natürlich war es in Summe nicht nur eine Dokumentation die mich dazu bewogen hat Milchprodukte für mich als No-Go einzustufen, genauso wie es mehr als eine Doku war die mich abgehalten hat Jahre zuvor weiter Fleisch zu essen – es war einfach nur ein weiterer Anstoß zum Nachdecken und Startschuß zum Sammeln von Informationen und dem Bilden meiner eigenen Meinung zum Thema Milch.

Was ist überhaupt gesund? Wie wirken Produkte von Tieren auf mich, die so grauenhaft gehalten werden? Will ich weiterhin Teil dieser Industrie sein? Was machen Hormone mit mir? Was wird aus den kleinen Kälbern, die mit Milchpulver aufgezogen werden? Ist es gut Milch zu trinken, die zum aus Teil entzündeten Eutern kommt? Menschen sind die einzigen Lebewesen, die Milch von anderen Lebewesen trinken – ist das wirklich natürlich und normal?

Immer mehr habe ich mich mit den angeblichen Vorteilen von Milchprodukten und den Mythos rund um Milch „Wichtig für die Knochen“ beschäftigt und nach einiger Zeit entschieden nicht mehr daran zu glauben und komplett auf Milchprodukte zu verzichten. Milch und Joghurt wich Sojamilch und Sojajoghurt und nach einiger Zeit hatte ich meine Lieblingsprodukte wieder im Kühlschrank, einfach nur tierleidfrei und aus meiner Sicht gesünder.

Eier hatten sich quasi automatisch erledigt. Ich weis nicht mehr wann und wie, aber die Entscheidung ist – sofern man weiß was eine Ei tatsächlich ist – sehr einfach! Ich konnte mir einfach nicht mehr vorstellen irgendetwas tierisches oder gar totes zu essen oder zu trinken!

Das letzte nicht-vegane Produkt in meinem Schrank war Mayonnaise. Wir hatten uns vorgenommen in der Übergangsphase zur veganen Ernährung nichts wegzuwerfen. Doch die Mayonnaise ging absolut nicht mehr. Alleine der Geruch nach Ei machte es für mich unmöglich die Mayonnaise zu essen, somit landete die angebrauchte Verpackung im Müll und wir konnten befreit von tierischen Vorräten in eine neue Phase starten.

Die Übergangsphase liest sich lang, dauerte aber tatsächlich nur einige Wochen bzw. Monate. Ab dem Zeitpunkt zu dem ich mich mit der Herkunft und den Ernährungsmythen nur etwas beschäftigt habe konnte ich einfach nicht anders als einen Schlußstrich zu ziehen. Mein Verstand sagte mir, dass uns die Gesellschaft eine verzerrte Realität vermittelt und krampfhaft alles dafür tut die Wahrheit zu verschleiern und aufkeimende Zweifel sofort mit dem nächsten Gütezeichen erstickt.
Das soll kein Aufruf zu einer Verschwörung sein, aber bestimmte Gegebenheiten lassen darauf schließen, dass viele wissen, dass es so nicht weitergehen kann und auch nicht der optimal Zustand in punkto Ernährung ist. Oder gibt es jemanden, der nicht zumindest eine Person kennt, die an einer der vielzähligen Zivilistationskrankeiten erkrankt ist?

Jetzt nochmal zu „schwierig, kompliziert und mühsam“: Es ist überhaupt nicht schwierig, kompliziert und mühsam sich ordentlich (=vegan) zu ernähren, man braucht nur etwas Leidenschaft, Hausverstand und Liebe zum eigenen Leben, dann gehts wie von selbst!

Lebensstil: 100% vegan aber nicht perfekt

In Punkto Ernährung war ich auf vegan konditioniert. In Punkto Konsum abseits von Lebensmitteln jedoch noch nicht. Dieses Feld hatte ich mir fürs Ende aufgehoben und ich muss sagen das ist auch der rechercheintensivste Bereich überhaupt, aber in den letzten Jahren wurde auch das immer leichter.

Ab 2015 habe ich beschloßen jegliches tierische Material zu vermeiden: z.B. Leder, Wolle. Das Problem war nicht etwas zu finden, sondern Produkte zu finden, die mir auch gefielen. Winterschuhe, Pullover o.ä. nicht immer so einfach! Doch auch hier dauerte es nur kurze Zeit und ich wusste wo ich suchen musste und wo ich auch gute Qualität fand. Meine Liebe zum Online Shopping wurde hierbei zur nützlichen Leidenschaft, denn die tollen Marken und Produkte waren und sind online schneller und leichter zu finden.

Eines habe ich mir hier jedoch vorgenommen und diesesmal werde ich dies nicht brechen: ich werfe keine Sachen weg, die ich bereits besitze! So darf meine Ledergeldbörse (für die ich von omnivoren Personen in meinem Umfeld verachtende Blicke geerntet habe, warum? Keine Ahnung!), meine Lederstiefel oder die eine oder andere Marken-Handtasch weiterhin in meinem Schrank bleiben und auch in und wieder ausgeführt werden.

Mein Ziel ist es nicht perfekt zu sein oder als Gutmensch anderen die eigenen Fehler aufzuzeigen. Ich habe meine Art zu leben und mich zu ernähren gefunden, sollten sich dadurch Menschen in meiner Umgebung an ihr Fehlverhalten erinnert fühlen, liegt die Ursache dabei nicht in meinem Verhalten sondern in dem der anderen.

Jeder einzelne von uns hat die Wahl!

9 Kommentare

    1. Mein Freund war schon vor mir Vegetarier. Den Schritt zu „vegan“ haben wir dann gemeinsam gemacht. Daher gab es zuhause keine unterschiedlichen Ansichten. Wie war es denn bei dir?

      Gefällt 1 Person

  1. Ein ganz toller und inspirierender Beitrag!!
    Es ist immer wieder schön den Weg von anderen Menschen zu lesen.
    Besonders gut gefällt mir die Passage: _“Wenn einem schon die Welt egal ist, wie kann einem das eigene Leben egal sein?“. Denn so ist es: Wenn man es schon nicht für die Tiere und Umwelt macht, dann doch bitte für einen selbst. Es ist ja schließlich kein Geheimnis mehr wie schädlich Fleisch & Co für den eigenen Körper sind. Natürlich ist die Umsetzung nicht für jeden leicht, besonders außer Haus, aber definitiv machbar.

    Schön, dass du es schon ganz geschafft hast, bei mir fehlen da noch ca. 10% bis zum „Voll-Veganer“. 😉

    Liebe Grüße,
    Katrin
    https://lebegruen.com/

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Katrin,
      ich freue mich tierisch über dein Kommentar zu diesem Blogbeitrag, ehrlich! Würde mich freuen wenn du weiterhin mal bei mir vorbeischaust.
      Die letzten 10% schaffst du auch noch. In Summe gehts darum die eigene Geschwindigkeit für die Veränderung zu finden. Oftmals ist der Kopf langsamer als der Bauch 🙂
      lg
      Nicole

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      1. Nun, dann ist ja alles gut – aus DEINER Sicht! Oder was willst du von MIR lesen? Ein „schon ok“ damit dein Gewissen beruhigt ist? Ich wünsche dir ein schönes Leben. Jeder trifft für sich selbst die Entscheidung ob er etwas ändern möchte oder nicht.
        Liebe Grüße

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